KIM und TI-Messenger: Wann welcher Kanal der richtige ist
Zwei sichere Kommunikationswege in der Telematikinfrastruktur, zwei verschiedene Aufgaben. Wann Sie KIM brauchen, wofür sich der TI-Messenger eignet und wie beides eingerichtet wird.
Fax und unverschlüsselte E-Mail haben in der medizinischen Kommunikation ausgedient. Die Telematikinfrastruktur bietet dafür zwei sichere Kanäle: KIM und den TI-Messenger (TIM). Beide sind verschlüsselt, beide erreichen nur verifizierte Teilnehmer des Gesundheitswesens. Trotzdem sind sie nicht austauschbar.
KIM: die sichere E-Mail des Gesundheitswesens
KIM steht für „Kommunikation im Medizinwesen“ und funktioniert wie E-Mail, nur innerhalb der TI. Jede Praxis hat eine oder mehrere KIM-Adressen. Nachrichten und Anhänge werden Ende-zu-Ende verschlüsselt übertragen.
KIM ist der Pflichtkanal für strukturierte Prozesse: Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) geht per KIM an die Krankenkassen. Auch eArztbriefe, Befunde und Abrechnungsunterlagen laufen über diesen Weg. Kurz: Alles, was früher per Fax oder Post ging und dokumentiert sein muss, gehört zu KIM.
TI-Messenger: schnelle Abstimmung in Echtzeit
Der TI-Messenger ist das sichere Gegenstück zu Chat-Diensten. Kurze Nachrichten, schnelle Rückfragen, Abstimmung zwischen Leistungserbringern — in Echtzeit und verschlüsselt. Ein Beispiel: Die Praxis fragt beim Kollegen kurz nach, ob ein Patient dort bekannt ist, oder klärt mit dem Pflegedienst eine Medikationsfrage.
Der TI-Messenger ersetzt KIM nicht. Er ergänzt ihn dort, wo eine formale Nachricht mit Anhang zu schwerfällig wäre. Faustregel: Dokumente und alles Abrechnungsrelevante per KIM, kurze Abstimmungen per TIM.
Die Kanäle im Vergleich
- KIM: dokumentenbasiert, wie E-Mail, Pflicht für eAU, geeignet für Arztbriefe und Befunde.
- TIM: chatbasiert, Echtzeit, geeignet für Rückfragen und Abstimmungen ohne Dokumentcharakter.
- Beide: Ende-zu-Ende verschlüsselt, nur für verifizierte Teilnehmer des Gesundheitswesens.
- Beide: brauchen eine funktionierende TI-Anbindung und saubere Einbindung in den Praxisalltag.
Einrichtung und Alltag
KIM wird über einen zugelassenen Anbieter gebucht und idealerweise direkt ins Praxisverwaltungssystem integriert. Dann verschickt das Team die eAU aus der gewohnten Oberfläche, ohne separates Postfach. Wichtig sind eine saubere Adressverwaltung und eine Vertretungsregelung, damit eingehende Nachrichten auch im Urlaub gelesen werden.
Beim TI-Messenger lohnt ein kurzer Team-Leitfaden: Was darf über den Messenger laufen, was gehört in die Akte, wer antwortet? So bleibt der schnelle Kanal ein Gewinn und wird nicht zum unkontrollierten Nebenarchiv.
Wir richten beide Kanäle ein, binden sie an Ihr PVS an und schulen Ihr Team. Meist ist das an einem Nachmittag erledigt.
Drei Beispiele aus dem Praxisalltag
Beispiel eins, die eAU: Eine Patientin wird krankgeschrieben. Das PVS erzeugt die eAU, signiert wird mit dem eHBA, der Versand an die Krankenkasse läuft automatisch per KIM. Kein Ausdruck für die Kasse, kein Fax, kein Umschlag.
Beispiel zwei, der Arztbrief: Die Hausarztpraxis überweist zum Kardiologen. Der Arztbrief geht als eArztbrief per KIM hinaus, der Befundbericht kommt auf demselben Weg zurück und wandert direkt in die Patientenakte im PVS. Beide Seiten haben einen dokumentierten, verschlüsselten Nachweis.
Beispiel drei, die schnelle Rückfrage: Vor einer Medikamentenumstellung will die Praxis kurz wissen, was der Kollege zuletzt verordnet hat. Ein Zweizeiler über den TI-Messenger, Antwort nach zehn Minuten. Kein Anruf in der Warteschleife, keine unverschlüsselte Mail.
Häufige Stolpersteine
Der häufigste Fehler ist ein KIM-Postfach, das niemand liest. KIM ist ein Eingangskanal wie der Briefkasten: Es braucht eine feste Zuständigkeit und eine Urlaubsvertretung. Der zweite Klassiker ist die fehlende PVS-Integration. Wer KIM in einem separaten Programm bedienen muss, nutzt es nicht. Und drittens: Adressen von Kollegen nicht pflegen. Das KIM-Adressverzeichnis nimmt einem die Suche ab, wenn die eigenen Einträge stimmen.
Häufige Fragen zum Thema
Ist KIM für Arztpraxen Pflicht?+
Ersetzt der TI-Messenger das Telefon oder KIM?+
Kann ich KIM-Nachrichten aus meinem PVS heraus versenden?+
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